Guter Mond.....

Volkslied  -  Karl Englin, 1819-1875

Guter Mond, du gehst so stille durch die Abendwolken hin.
Deines Schöpfers weiser Wille hieß auf jene Bahn dich zieh'n.
Leuchte freundlich jedem Müden in das stille Kämmerlein
Und dein Schimmer gieße Frieden ins bedrängte Herz hinein!

2. Guter Mond, o gieße Frieden in das arme Menschenherz.
Wende von dem Schmerz hienieden uns're Seele himmelwärts.
Mild und freundlich schaust du nieder von des Himmels blauem Zelt,
Und es tönen unsre Lieder hell hinauf zum Herrn der Welt.

3. Guter Mond du wandelst leise an dem blauen Himmelszelt,
Wo dich Gott zu seinem Preise hat als Leuchte hingestellt
Blicke traulich zu uns nieder durch die Nacht aufs Erdenrund.
Als ein treuer Menschenhüter tust du Gottes Liebe kund.

4. Guter Mond, du gehst so stille in den Abendwolken hin,
Bist so ruhig, und ich fühle, daß ich ohne Ruhe bin.
Traurig folgen meine Blicke Deiner stillen, heitern Bahn.
O wie hart ist mein Geschicke, daß ich dir nicht folgen kann.

5. Guter Mond, dir will ich's sagen, was mein banges Herze kränkt,
Und an wen mit bittren Klagen die betrübte Seele denkt!
Guter Mond, du kannst es wissen, weil du so verschwiegen bist,
Warum meine Tränen fließen und mein Herz so traurig ist.

6. Ach, daß auch in uns're Herzen Himmelsruhe zöge ein,
Daß wir immer frei von Schmerzen, stets zufrieden möchten sein!
Sanft umströmet uns dein Schimmer, klarer milder Mondenschein
Menscheherz, o daß du immer wärst wie dieses Licht so rein!

1. Dort bei jenem kleinen Tale, wo die dunklen Bäume stehn,
Nah bei jenem Wasserfalle wirst du meine Hütte sehn.
Geh durch Wälder, Bach und Wiesen, blicke sanft durchs Fenster hin,
So erblickest du Elisen, aller Mädchen Königin.

2. Nicht in Gold und nicht in Seide wirst du dieses Mädchen sehn,
Nur im schlichten weißen Kleide pflegt mein Mädchen stets zu gehn.
Nicht vom Adel, nicht vom Stande, wen man sonst so hoch verehrt,
Nicht vom eitlen Mode-Tande hat mein Mädchen seinen Wert.

3. Nur ihr Reiz, ihr gutes Herze, macht sie liebenswert bei mir,
Gut im Ernste, froh im Scherze, jeder Zug ist gut an ihr.
Ausdrucksvoll sind die Gebärden, froh und heiter ist ihr Blick,
Kurz, von ihr geliebt zu werden, halt ich für das größte Glück.

4. Mond, du Freund der reinsten Triebe, schleich dich in ihr Kämmerlein;
Sag es ihr, daß ich sie liebe und daß sie nur ganz allein
Mein Vergnügen, meine Freude, meine Lust, mein Alles ist,
Daß ich gerne mit ihr leide, wenn ihr Aug' in Tränen fließt.

5. Daß ich aber schon gebunden, und nur leider! zu geschwind
Meine süßen Freiheitsstunden schon für mich entschwunden sind;
Und daß ich nicht ohne Sünde lieben könne in der Welt.
Lauf und sag's dem guten Kinde, ob ihr diese Lieb' gefällt?

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