Geh' aus mein Herz und suche Freud.....

Paul Gerhardt, 1607-1676

1. Geh' aus mein Herz und suche Freud  - In dieser schönen Sommerzeit
An deines Gottes Gaben
Schau an der schönen Gärtenzier  - Und siehe wie sie mir und dir
|: Sich ausgeschmücket haben :|

2. Die Bäume stehen voller Laub - Das Erdreich decket seinen Staub
Mit einem grünen Kleide
Narzissen und die Tulipan - Die ziehen sich viel schöner an
|: Als Salomonis Seide :|.

3. Die Lerche schwingt sich in die Luft - Das Täublein fliegt auf seiner Kluft
Und macht sich in die Wälder
Die hochbegabte Nachtigall - Ergötzt und füllt mit ihrem Schall
|: Berg Hügel Tal und Felder :|.

4. Die Glucke führt ihr Völklein aus - Der Storch baut und bewohnt sein Haus
Das Schwälblein speist die Jungen
Der schnell Hirsch das leichte Reh - Ist froh und kommt aus seine Höh
|: In's tiefe Gras gesprungen :|.

5. Die Bächlein rauschen in dem Sand - Und malen sich an ihrem Rand
Mit schattenreichen Myrten
Die Wiesen liegen hart dabei - Und klingen ganz vom Lustgeschrei
|: Der Schaf' und ihrer Hirten :|.

6. Die unverdroßne Bienenschar - Fliegt hin und her, sucht hier und da
Ihr edle Honigspeise
Des süßen Weinstocks starker Saft - Bringt täglich neue Stärk' und Kraft
|: In seinem schwachen Reise :|.

7. Der Weizen wächset mit Gewalt - Darüber jauchzet jung und alt
Und rühmt die große Güte
Des, der so überflüssig labt - Und mit so manchem Gut begabt
|: Das menschliche Gemüte :|.

8. Ich selber kann und mag nicht ruhn - Des großen Gottes großes Tun
Erweckt mir alle Sinnen
Ich singe mit, wenn alles singt - Und lasse was dem Höchsten klingt
|: Aus meinem Herzen rinnen :|

9. Ach denk ich bist Du hier so schön - Und läßt Du's uns so lieblich gehn
Auf dieser armen Erde
Was will doch wohl nach dieser Welt - Dort in dem reichen Himmelszelt
|: Und güldnen Schlosse werden? :|

10. Welch hohe Lust, welch heller Schein - Wird wohl in Christi Garten sein!
Wie wird es da wohl klingen?
Da so viel tausend Seraphim - Mit unverdroßnem Mund und Stimm
|: Ihr Halleluja singen :|.

11. Oh wär ich da, o stünd ich schon - Ach süßer Gott vor Deinem Thron
Und trüge meine Palmen!
So wollt ich nach der Engel Weis' - Erhöhen Deines Namens Preis,
|: Mit tausend schönen Psalmen :|.

12. Doch gleichwohl will ichweil ich noch - Hier trage dieses Leibes Joch
Auch gar nicht stille schweigen.
Mein Herze soll sich fort und fort - An diesem und an allem Ort
|: Zu Deinem Lobe neigen :|.

13. Hilf mir und segne meinen Geist - Mit Segen, der vom Himmel fleußt,
Daß ich Dir stetig blühe;
Gib, daß der Sommer Deiner Gnad - In meiner Seele früh und spat
|: Viel Glaubensfrücht erziehe :|.

14. Mach in mir Deinem Geiste Raum, - Daß ich Dir werd ein guter Baum,
Und laß mich Wurzeln treiben;
Verleihe, daß zu Deinem Ruhm, - Ich Deines Gartens schöne Blum
|: Und Pflanze möge bleiben :|.

15. Erwähle mich zum Paradeis, - Und laß mich bis zur letzten Reis
An Leib und Seele grünen;
So will ich Dir und Deiner Ehr - Allein und sonstern Keinem mehr
|: Hier und dort ewig dienen :|

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