Abendlied

Johann Abraham Peter Schulz, 1790

"Nun ruhen alle Wälder" - "O Welt, ich muß dich lassen"

Matthias Claudius, 1778

1. Der Mond ist aufgegangen die gold'nen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar
Der Wald steht schwarz und schweiget und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar

2. Wie ist die Welt so stille und in der Dämmerung Hülle
So traulich und so hold
Gleich einer stillen Kammer wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt

3. Seht ihr den Mond dort stehen er ist nur halb zu sehen
Und ist doch rund und schön
So sind wohl manche Sachen die wir getrost verlachen
Weil unsere Augen sie nicht seh'n

4. Wir stolzen Menschenkinder sind eitel arme Sünder
Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste und suchen viele Künste
Und kommen weiter von dem Ziel.

5. Gott. laß dein Heil uns schauen, auf nichts Vergänglichs trauen,
Nicht Eitelkeit uns freun!
Laß uns einfältig werden und vor dir hier auf Erden
Wie Kinder fromm und fröhlich sein!

6. Wollst endlich sonder Grämen aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod!
Und wenn du uns genommen, laß uns in'n Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!

7. So legt euch denn ihr Brüder in Gottes Namen nieder
Kalt ist der Abendhauch
Verschon uns Gott die Strafen und laßt uns ruhig schlafen
Und unser'n kranken Nachbar auch

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